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Wo bleibt der Wiesenpieper?

Ahrtal. Die Wasserqualität der Bäche ist gut, streckenweise sogar sehr gut, die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten entspricht, bis auf wenige Ausnahmen, dem zu erwartenden Vorkommen in den Höhenlagen der Eifel. Zu diesem Zwischenergebnis kommt die Landschaftsplanerin Angelika Halbig vom Planungsbüro Björnsen in Koblenz bei ihrer Grundlagenuntersuchung zum Projekt Obere Ahr-Hocheifel.

Dieses Projekt – es ist das umfangreichste Naturschutzvorhaben des Kreises Ahrweiler – erstreckt sich im Kerngebiet auf nahezu alle im Gebiet der Verbandsgemeinde Adenau vorkommenden Fließgewässer und Auenbereiche und ist derzeit 3.350 Hektar groß. Das Gewässer-Randstreifenprojekt verfolgt das Ziel, die Oberahr und sämtliche Zuflüsse einschließlich ihrer Auen zu schützen und in ihrer natürlichen Entwicklung nachhaltig zu sichern. Weitere Vorteile neben der Ökologie entfalten sich in der Landwirtschaft, beim Hochwasserschutz und im Tourismus. Es ist auf zehn Jahre angelegt und wird vom Bund (68 Prozent), dem Land Rheinland-Pfalz (22 Prozent) und dem Kreis Ahrweiler (zehn Prozent) bezahlt.

Alle Pläne werden in der Projektbegleitenden Arbeitsgruppe (PAG) besprochen. Am Tisch: neben Bürgermeister Hermann-Josef Romes und Projektleiter Dr. Jochen Mölle fast 40 weitere Vertreter von Behörden und Verbänden, beispielsweise Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, Naturschutz, Wasserwirtschaft, Flurbereinigung sowie vom Landes- und vom Bundesumweltministerium. Bei der jüngsten Sitzung der PAG in der Kreisverwaltung berichteten Dr. Mölle über den Sachstand, Jürgen Lehnigk-Emden vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum über das Flächenmanagement und Diplom-Ingenieurin Angelika Halbig über ihre seit Sommer 2008 laufenden Untersuchungen.

Die Wasserqualität der Bäche im Adenauer Land ist laut Halbig gut, wie die hohe Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen beweist. Einige wenige Streckenabschnitte sind aber gestört, was auf Verschmutzungen schließen lässt. Hier sehen die Fachleute Handlungsbedarf.

Mit Hilfe von sogenannten Leit- und Zielarten werden die Lebensraumqualitäten bewertet und Projektziele formuliert. So konnte beispielsweise die in Deutschland stark gefährdete Sumpfschrecke, eine große Heuschreckenart, nachgewiesen werden. Sie ist Indikator für ganzjährig nasse Grünlandbereiche.

Ein weiteres Highlight der Untersuchungen ist der Nachweis des Rundaugen-Mohrenfalters, eines seltenen Schmetterlings, dem man ab und zu noch auf den Magerwiesen- und weiden der Hocheifel begegnet. Erfreulich auch: Die drei typischen Bachvogelarten sind mit gesunden Beständen vertreten, nämlich Wasseramsel, Gebirgsstelze und Eisvogel. Viele weitere Schmetterlings- Heuschrecken- und Vogelarten sowie die untersuchten Pflanzen, Libellen und Fische geben den Planern wichtige Hinweise über den Zustand des Projektgebietes.

Nicht gefunden wurde ein anderer Vertreter aus den Reihen der Vögel: der Wiesenpieper. „Das hat uns überrascht“, sagte Projektleiter Mölle, „weil dieser Vogel in einem an Grünland reichen Gebiet zu erwarten gewesen wäre.“ Eine Erklärung des diplomierten Biologen: „Es liegt offenbar daran, dass die Zahl der Flächen mit traditioneller Grünlandbewirtschaftung abgenommen hat.“ Die für die Eifel typischen bunten Blumenwiesen und -weiden, so Mölle, seien wichtige Lebenräume für viele Pflanzen und Tiere. Diese Lebensräume seien in den vergangenen Jahrzehnten vielerorts verloren gegangen. Das Projekt solle dazu beitragen, diesen kontinuierlichen Prozess zu stoppen.

Wer mehr wissen will: www.obere-ahr-hocheifel.de.

FOTO: Die Sumpfschrecke, eine in Deutschland stark gefährdete Heuschreckenart, lebt im Adenauer Raum. Foto: Marko König.

Nachricht vom 9.9.09 23:17

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